GdB bei Atmung und Lunge

Bei Lungenerkrankungen zählen die Atemnot im Alltag und die gemessene Lungenfunktion, beides zusammen.

Nachgelesen von Radif Partners · Redaktionsgrundsätze · Methodik

Zwei Leiden: welcher Gesamt-GdB?

Gesamt-GdB, Richtwert

60

Spanne nach dem Wortlaut60 bis 70
Addiert wäre es80, aber unzulässig
Schwerbehindert abGdB 50

Ausgang ist der höchste Einzelwert; Addition und Mittelung sind nach Teil A Nr. 3.2 nicht zulässig.

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Krankheiten der Atmungsorgane bewertet die Versorgungsmedizin-Verordnung in Teil B Nummer 8. Für chronische Erkrankungen mit dauernder Einschränkung der Lungenfunktion, etwa eine COPD, gibt es drei Stufen: geringen Grades mit Atemnot bei mittelschwerer Belastung und Messwerten bis zu einem Drittel unter dem Soll 20 bis 40, mittleren Grades mit Atemnot schon bei leichter Belastung und Messwerten bis zu zwei Dritteln unter dem Soll 50 bis 70, schweren Grades mit Atemnot in Ruhe 80 bis 100. Bronchialasthma ohne dauernde Funktionseinschränkung wird nach der Häufigkeit der Anfälle bewertet: selten und leicht 0 bis 20, häufig oder schwer 30 bis 40, Serien schwerer Anfälle 50. Ein Schlafapnoe-Syndrom mit nötiger Überdruckbeatmung ergibt 20. Nach Entfernung eines Lungentumors gilt eine Heilungsbewährung von fünf Jahren mit wenigstens 80. Eine Lungenfunktion mittleren Grades begründet nach Teil D in der Regel das Merkzeichen G. Ab GdB 50 gibt es 1.140 € Pauschbetrag im Jahr.

Die Stufen im Überblick

Atmungsorgane nach Teil B Nr. 8, Wortlaut gekürzt
Erkrankung (Teil B)AusprägungGdB
Lungenfunktion (Nr. 8.3)geringen Grades20 bis 40
Lungenfunktion (Nr. 8.3)mittleren Grades50 bis 70
Lungenfunktion (Nr. 8.3)schweren Grades80 bis 100
Chronische Bronchitis (Nr. 8.2)leicht, ohne Funktionseinschränkung0 bis 10
Chronische Bronchitis (Nr. 8.2)schwer, ohne Funktionseinschränkung20 bis 30
Asthma (Nr. 8.5)seltene oder leichte Anfälle0 bis 20
Asthma (Nr. 8.5)häufige oder schwere Anfälle30 bis 40
Schlafapnoe (Nr. 8.7)mit Überdruckbeatmung20

Die Verordnung beschreibt die Lungenfunktion doppelt: mit der Atemnot im Alltag und mit Messwerten der Lungenfunktionsprüfung im Verhältnis zum Sollwert. Bei der geringen Stufe liegen sie bis zu einem Drittel, bei der mittleren bis zu zwei Dritteln, bei der schweren um mehr als zwei Drittel unter dem Soll. Weichen Beschwerden und Messwerte voneinander ab, richtet sich der Wert nach der Verordnung vor allem nach der klinischen Symptomatik und ihren Auswirkungen auf den Allgemeinzustand.

Was bringt dieser GdB?

Status

schwerbehindert

Pauschbetrag1.140 € im Jahr
Fahrtkostenpauschale0 €
Zusatzurlaub5 Arbeitstage
Kündigungsschutzja

Ohne Merkzeichen. Freifahrt, Kfz-Steuer und Parkausweis hängen an Merkzeichen.

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Asthma: zwei Wege der Bewertung

Bronchialasthma wird nach Nummer 8.5 nach den Anfällen bewertet, solange die Lungenfunktion zwischen den Anfällen normal ist. Bleibt dauerhaft eine Einschränkung, wird sie nach Nummer 8.3 zusätzlich berücksichtigt. Eine junge Frau mit allergischem Asthma, die im Frühjahr einige leichte Anfälle hat und sonst beschwerdefrei ist, liegt bei 0 bis 20. Ein Mann mit mehrmals im Monat auftretenden Anfällen trotz Dauertherapie liegt bei 30 bis 40. Ein Anfallskalender und die Liste der Notfallbehandlungen sind die besten Belege.

Lunge und Herz

Lungen- und Herzerkrankungen verstärken sich gegenseitig. Eine COPD mittleren Grades mit 50 und eine Herzschwäche mit 30 betreffen zwei Funktionssysteme, die sich nach Teil A Nummer 3.3.1 in der Regel erhöhend auswirken: Die Spanne liegt bei 60 bis 70. Ein Asthma mit 30 und eine Schlafapnoe mit 20 dagegen gehören beide zu den Atmungsorganen; sie werden zuerst innerhalb dieses Systems zusammengefasst und überschneiden sich teilweise, 30 bis 40. Mehr zum Herzen steht unter Herz und Kreislauf.

Lungenkrebs und Transplantation

Nach Entfernung eines bösartigen Lungen- oder Bronchialtumors gilt eine Heilungsbewährung von fünf Jahren mit wenigstens 80, bei Einschränkung der Lungenfunktion mittleren bis schweren Grades 90 bis 100. Nach einer Lungentransplantation sind während der Heilungsbewährung von im Allgemeinen zwei Jahren 100 anzusetzen, danach nicht weniger als 70. Was nach der Heilungsbewährung geschieht, erklärt die Seite Krebs und Heilungsbewährung.

Was in den Antrag gehört

Lungenfunktionsbefunde der letzten Jahre mit Sollwerten, gegebenenfalls Blutgasanalyse und Belastungstests, Berichte über Exazerbationen und Krankenhausaufenthalte, die Liste der Medikamente und eine eigene Beschreibung: wie weit Sie gehen können, ob Sie Treppen schaffen, ob Sie Sauerstoff brauchen. Die Verordnung bewertet die Folgen im Alltag; ein einzelner guter Messwert an einem guten Tag soll nicht das ganze Bild bestimmen. Mit einer Lungenfunktion mittleren Grades lohnt es sich, im selben Antrag das Merkzeichen G anzukreuzen.

Chronische Bronchitis und Infekte

Eine chronische Bronchitis ohne dauernde Einschränkung der Lungenfunktion bewertet Nummer 8.2 nach Husten, Auswurf und Häufigkeit der Schübe: in leichter Form 0 bis 10, in schwerer Form mit fast kontinuierlichem, ausgiebigem Husten und Auswurf und häufigen akuten Schüben 20 bis 30. Kommt eine messbare Funktionseinschränkung hinzu, wird sie nach Nummer 8.3 bewertet und nicht doppelt gezählt. Wer im Winter regelmäßig mit Antibiotika oder Kortison behandelt wird, sollte jede dieser Behandlungen mit Datum belegen; die Häufigkeit der Schübe ist für die Einstufung entscheidend.

Sauerstoff und Atemnot in Ruhe

Wer eine Langzeit-Sauerstofftherapie braucht oder schon in Ruhe Atemnot hat, liegt in der Regel in der schweren Stufe mit 80 bis 100. In dieser Lage kommen neben G auch weitere Merkzeichen in Betracht: Das Merkzeichen aG verlangt nach § 229 Absatz 3 SGB IX eine erhebliche mobilitätsbezogene Teilhabebeeinträchtigung, die einem GdB von mindestens 80 entspricht: Wer sich wegen der Schwere der Beeinträchtigung dauernd nur mit fremder Hilfe oder mit großer Anstrengung außerhalb des Autos bewegen kann, erfüllt diese Voraussetzung. Das kann auch eine schwere Lungenerkrankung sein, nicht nur eine Erkrankung der Beine. Ob das zutrifft, entscheidet das Versorgungsamt im Einzelfall, auf Grundlage der Befunde und gegebenenfalls einer Begutachtung.

Wenn sich die Lunge verschlechtert

Eine COPD schreitet häufig fort. Steigt der Einzelwert um mindestens 10 und hält die Verschlechterung länger als sechs Monate an, liegt nach Teil A Nummer 7 eine wesentliche Änderung vor, und ein Verschlimmerungsantrag kann zu einem höheren Gesamt-GdB führen. Die neuen Lungenfunktionswerte im Vergleich zu den alten sind dafür der wichtigste Beleg. Bessert sich die Lage dagegen dauerhaft, etwa nach erfolgreicher Therapie, kann das Amt den Wert auch herabsetzen.

Wer raucht, wird nicht schlechter bewertet; die Verordnung fragt nach den Folgen, nicht nach der Ursache. Bei einer Berufskrankheit, etwa durch Staub, gibt es neben dem GdB Leistungen der Unfallversicherung nach eigenen Regeln.

Was Antragsteller wissen wollen

Welcher GdB gilt bei COPD?

Das hängt vom Grad der dauernden Einschränkung der Lungenfunktion ab, nicht vom GOLD-Stadium. Geringen Grades sind es 20 bis 40, mittleren Grades 50 bis 70, schweren Grades 80 bis 100. Maßgeblich sind die klinische Symptomatik und ihre Auswirkung auf den Allgemeinzustand, gestützt durch Lungenfunktionsprüfung und gegebenenfalls Blutgasanalyse. Häufige Infekte und Krankenhausaufenthalte gehören ins Gesamtbild.

Gibt Schlafapnoe einen GdB?

Ohne nötige Überdruckbeatmung 0 bis 10, mit nächtlicher CPAP-Therapie 20, und wenn die Beatmung nicht durchführbar ist, 50. Folgeerscheinungen wie Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck werden zusätzlich berücksichtigt. Weil ein Wert von 20 den Gesamt-GdB nach Teil A Nummer 3.5 vielfach nicht erhöht, wirkt die Schlafapnoe neben anderen Leiden oft nicht steigernd.

Wie wird Asthma bei Kindern bewertet?

Nach Nummer 8.6 mit eigenen, höheren Stufen: geringen Grades 20 bis 40, mittleren Grades 50 bis 70, schweren Grades 80 bis 100. Bei schwerem Bronchialasthma ist nach Teil A Nummer 5 in der Regel bis zum 16. Geburtstag Hilflosigkeit anzunehmen, also das Merkzeichen H mit erhöhtem Pauschbetrag, den die Eltern übernehmen können.

Wann bekommt man wegen der Lunge das Merkzeichen G?

Nach Teil D der Verordnung ist eine erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit vor allem bei Atembehinderungen mit dauernder Einschränkung der Lungenfunktion wenigstens mittleren Grades anzunehmen. Wer also schon bei alltäglicher leichter Belastung wie Spazierengehen außer Atem ist, erfüllt in der Regel die Voraussetzungen. Mit G gibt es die Freifahrt mit Wertmarke oder die halbe Kfz-Steuer.

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Herausgeber eines Rechners für den Gesamt-GdB nach der Versorgungsmedizin-Verordnung und der Nachteilsausgleiche je GdB und Merkzeichen

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